Die Menschen hinter dem Garten
Der Dycker Garten ist das Ergebnis eines Zusammenspiels unterschiedlicher Akteure: Ein sammelnder Fürst, eine gestaltende Fürstin, erfahrene Gartenkünstler, ein langjähriger Gartendirektor und ein prägender Botaniker. Jeder brachte eigene Kenntnisse, Vorstellungen und Netzwerke ein – und hinterließ damit Spuren, die bis heute im Park ablesbar sind.
Fehlt
Fehlt
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Fürst Joseph
Botaniker und Sammler
Fürstin Constance
Literatin und Mitgestalterin
Thomas Blaikie
Gestalter des Dycker Landschaftsgartens
Wilhelm Funke
Gartendirektor und Organisator
Maximilian Friedrich Weyhe
Frühe Impulse in Dyck
Antoine-Laurent de Jussieu
Botanisches System und Dyck
Sammler
Fürst Joseph – Botaniker und Sammler
Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1773–1861) widmete sich über Jahrzehnte mit großer Konsequenz dem Aufbau der Dycker Pflanzensammlung. Durch Austausch, Erwerb und eigene Kultivierung entwickelte er einen Bestand von außergewöhnlicher Breite und Tiefe.
Der Aufbau der Dycker Pflanzensammlung war keine kurzfristige Unternehmung, sondern eine über Jahrzehnte verfolgte Tätigkeit, die Sammlung, Pflege, Kultivierung und wissenschaftlichen Austausch miteinander verband. Der Bestand wuchs dynamisch und wurde fortlaufend erweitert und kultiviert; Pflanzen bewährten sich unter den Bedingungen vor Ort, wurden ersetzt oder durch neue Varietäten ergänzt. Dabei verfolgte der Fürst klare, im Hortus Dyckensis formulierte Zielsetzungen: einen Schwerpunkt auf ausgewählte Pflanzengruppen wie die Sukkulenten, ferner aber den Anspruch, die Vielfalt der im Freiland kultivierbaren Pflanzen möglichst vollständig abzubilden. Ergänzt wurde dies durch besondere Interessen, etwa an Päonien, die auch vor Ort kultiviert und gezüchtet wurden. Der Garten war damit zugleich Sammlungs-, Arbeits- und Erfahrungsraum. Er diente der Beobachtung, der Pflege und der Vermittlung botanischer Zusammenhänge und war für Besucher zugänglich. Im Hortus Dyckensis von 1834 wurde dieser über lange Zeit gewachsene Bestand erstmals in strukturierter Form zusammengeführt und zugänglich gemacht.
Fürstin Constance – Literatin und Mitgestalterin
Constance de Salm (1767–1845) verband literarische Tätigkeit mit konkretem Einfluss auf die Dycker Gärten. Aus Paris kommend, brachte sie ästhetische Vorstellungen ein, die sich in einzelnen Gartenräumen und in der Erweiterung des Parks niederschlugen.
In Paris als Autorin etabliert, war Constance de Salm Teil eines weit gespannten Kreises von Künstlern, Gelehrten und Naturforschern. Diese Prägung wirkte sich auch auf ihr Verständnis von Gartenräumen aus, die sie nicht nur funktional, sondern als bewusst gestaltete Orte auffasste. In Dyck wirkte sie konkret an der Gestaltung einzelner Bereiche mit, darunter die Blumeninsel und die Maisonette als Rückzugsräume innerhalb des Parks. Zugleich nahm sie Einfluss auf die Erweiterung der Anlage ab 1819, bei der das Schloss stärker in die Mitte rückte. Ihr ausdrücklicher Wunsch, den Gartenkünstler Thomas Blaikie, den sie aus ihrem familiären Umfeld in Frankreich kannte, für die Erweiterung hinzuzuziehen, erscheint plausibel. In der Situation eines Lebens zwischen Paris und dem nun (seit 1815) preußischen Dyck lässt sich darin auch ein persönliches Moment erkennen: die bewusste Einbindung eines vertrauten Gestalters. So ergänzte Constance die auf Sammlung und botanische Forschung ausgerichtete Tätigkeit ihres Mannes Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck um eine persönliche gestalterische Perspektive.
Thomas Blaikie – Gestalter des Dycker Landschaftsgartens
Thomas Blaikie (1751–1838) wurde 1819 nach Dyck geholt und entwarf die Gesamtkomposition des Landschaftsgartens. Ausgehend vom vorhandenen Bestand verband er bestehende Gartenbereiche zu einer räumlich zusammenhängenden Anlage mit klar geführten Wegen und Blickachsen.
Thomas Blaikie war 1819 und 1820 jeweils für mehrere Wochen in Dyck tätig und entwickelte die grundlegende Konzeption des Landschaftsgartens. Ziel war es, die zuvor eher additiv gewachsenen Gartenbereiche zu einer zusammenhängenden Anlage zu verbinden und zugleich das Parkareal deutlich zu erweitern. Blaikie arbeitete mit den vorhandenen Gegebenheiten: Bestehende Gehölzbestände wurden einbezogen und gezielt genutzt, während neue Wegeführungen und Sichtachsen den Park räumlich ordneten und das Schloss stärker in die Gesamtwirkung einbanden. Die Abfolge unterschiedlicher Gartenräume wurde so komponiert, dass sie sowohl landschaftlich als auch in Bezug auf die botanisch geordneten Pflanzungen erfahrbar wurde. Wie Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck selbst hervorhob, verstand Blaikie es, die örtlichen Gegebenheiten aufzunehmen und in ein „malerisches Ganzes“ zu überführen. Seine Entwürfe legten damit bis heute die Grundlage des Dycker Parks.
Wilhelm Funke – Gartendirektor und Organisator
Wilhelm Funke (1789/90–1879) leitete seit 1821 den Gartenbetrieb in Dyck und war die „rechte Hand“ des Fürsten. Er organisierte Pflege, Sammlung und Entwicklung des Bestands und prägte die Anlage durch seine kontinuierliche Arbeit vor Ort maßgeblich.
Als Gartendirektor verantwortete Wilhelm Funke die praktische Führung des gesamten Dycker Gartenbetriebs. In seiner Hand lagen Pflege, Organisation und laufende Entwicklung der Pflanzensammlung ebenso wie die gärtnerische Ausarbeitung der Anlage auf Grundlage der Entwürfe und Vorgaben des Fürsten. Dabei war Funke nicht nur ausführend tätig: Er begleitete die Entwicklung des Gartens aktiv, traf eigenständige Entscheidungen im Umgang mit dem Bestand und brachte eigene gestalterische Überlegungen ein, wie Entwürfe etwa für die Blumeninsel zeigen. Zugleich war er die zentrale Schnittstelle nach außen. Korrespondenz, Pflanzenankäufe und -tausch sowie die Organisation von Lieferungen liefen über ihn; während der Abwesenheiten des Fürsten berichtete er regelmäßig über Zustand, Entwicklungen und notwendige Maßnahmen im Garten. Auch an der Entstehung des Hortus Dyckensis war Funke unmittelbar beteiligt, insbesondere durch die Erfassung der Bestände, die Vorbereitung der Druckvorlagen und das Korrekturlesen. Über den Tod des Fürsten hinaus blieb Funke in Dyck tätig und setzte seine Laufbahn unter veränderten Bedingungen fort.
Maximilian Friedrich Weyhe – Frühe Impulse in Dyck
Maximilian Friedrich Weyhe (1775–1846) war früh in Dyck tätig und stand mit Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck in engem Austausch. Seine Entwürfe und Arbeiten prägten einzelne Bereiche, sind jedoch durch spätere Überformungen nur noch schwer fassbar.
Maximilian Friedrich Weyhe stand bereits seit den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts in Verbindung mit Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck und war spätestens ab 1808 in Dyck tätig. Der Kontakt zur Familie reicht auf seinen Vater Joseph Clemens Weyhe (1749–1813) zurück, den Hofgärtner in Brühl, von dem der Fürst um 1800 Pflanzensammlungen übernahm. Konkrete Entwürfe Weyhes lassen sich nur punktuell nachweisen. Für die Blumeninsel ist seine Beteiligung archivalisch belegt; auch für die Orangeriehalbinsel und besonders das Kakteenhaus existieren Hinweise auf technisch und botanisch anspruchsvolle Planungen. Das weitgehend verglaste Kakteenhaus mit im Boden geführten Rauchkanälen zeigt den Anspruch, empfindliche Pflanzen dauerhaft unter geeigneten Bedingungen zu kultivieren. Weyhes Beitrag bleibt dennoch lediglich fragmentarisch greifbar. Spätere Eingriffe, insbesondere die landschaftliche Erweiterung und Neuordnung des Parks durch Thomas Blaikie, überformten die frühen Strukturen und banden sie in eine neue Gesamtkomposition ein.
Antoine-Laurent de Jussieu – Botanisches System und Dyck
Antoine-Laurent de Jussieu (1748–1836) entwickelte das „natürliche System“, das Pflanzen nach ihrer Verwandtschaft ordnet. Es prägte die Ordnung der Pflanzengruppen im Dycker Garten und bildete einen wichtigen Bezugspunkt für den Hortus Dyckensis.
Das von Antoine-Laurent de Jussieu entwickelte „natürliche System“ ordnet Pflanzen nicht nach singularen Merkmalen, sondern nach ihrer Verwandtschaft in Familien. Es galt um 1800 als fortschrittlicher Ansatz und wurde im frühen 19. Jahrhundert breit rezipiert. Für Dyck ist dieses System von zentraler Bedeutung. In der Legende des Hortus Dyckensis werden 40 Pflanzengruppen aufgeführt, von denen der überwiegende Teil ausdrücklich auf Jussieu zurückgeführt wird. Die Reihenfolge dieser Gruppen folgt der Ordnung seines Systems, auch wenn sie im Garten an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst werden musste. Das System wird damit im Garten räumlich erfahrbar: Die botanischen Pflanzungen sind nicht nur nach praktischen Gesichtspunkten angelegt, sondern folgen einer übergeordneten botanischen Ordnung. Eine Ausgabe von Jussieus Genera Plantarum (1789) befand sich in der Bibliothek des Fürsten. In einer Veröffentlichung der Fürstin wird Jussieu zudem ausdrücklich im Kreis ihres Pariser Salons genannt und bildlich vorgestellt.

