Bedrohte Pflanzen – verlorene Pflanzenvielfalt in NRW
Der Hortus Dyckensis (1834) dokumentiert die Pflanzenvielfalt seiner Zeit – von Zierpflanzen bis zu Ackerwildkräutern. Ein Abgleich mit der Roten Liste Nordrhein-Westfalens (LANUV 2021) zeigt: Unter den damals erfassten Arten finden sich heute einige, die in NRW als ausgestorben gelten oder vom Aussterben bedroht sind. Der Hortus wird so zu einem Zeugnis verlorener Biodiversität unseres Bundeslandes.
Insgesamt finden sich im Hortus Dyckensis 45 Arten, die in der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen Nordrhein-Westfalens (LANUV-Fachbericht 118, 2021; Bezugsjahr 2020) in den Kategorien „ausgestorben“ oder „vom Aussterben bedroht“ geführt werden. Darunter sind Pflanzen sehr unterschiedlicher Lebensräume: etwa die Schachblume (Fritillaria meleagris) aus feuchten Wiesen, der Sonnentau (Drosera anglica) aus Mooren sowie Arten trockener Standorte wie das Federgras (Stipa pennata) und die Goldaster (Galatella linosyris). Sie alle waren im 19. Jahrhundert Teil einer vielfältigen Kulturlandschaft und wurden im Hortus Dyckensis von Fürst Joseph wie selbstverständlich miterfasst. Heute hingegen sind diese Pflanzen selten geworden oder gelten in Nordrhein-Westfalen als verschwunden. Die Gegenüberstellung mit der Roten Liste macht deutlich: Das Inventar von 1834 dokumentiert nicht nur botanisches Wissen, sondern die Biodiversität der damaligen Pflanzenwelt. So gewinnt der Hortus Dyckensis auch für die Fragen des heutigen Umweltschutzes an Aussagekraft.


Ackerwildkräuter – verlorene Begleiter der Kulturlandschaft
Der Hortus Dyckensis listet Pflanzen, die im Kontext einer historischen Agrarlandschaft stehen. Ihre heutige Gefährdung verweist damit nicht nur auf allgemeine botanische Entwicklungen, sondern auch auf tiefgreifende Veränderungen in der Nutzung und Struktur der Landschaft.
Viele der heute stark gefährdeten Arten waren früher regulärer Bestandteil landwirtschaftlicher Flächen. Sie traten gemeinsam mit den Kulturpflanzen auf und wurden weder gezielt gefördert noch systematisch bekämpft. Es zeugt vom allumfassenden botanischen Interesse des Fürsten Joseph, dass diese Pflanzen im Hortus Dyckensis ganz selbstverständlich miterfasst wurden. Durch die Veränderung landwirtschaftlicher Verfahren im 19. und 20. Jahrhundert – insbesondere durch Saatgutreinigung, Düngung und intensivere Bewirtschaftung – gingen diese Begleitarten zunehmend zurück. Arten wie Nigella arvensis, Vaccaria hispanica oder Spergula arvensis stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Der Vergleich mit der Roten Liste Nordrhein-Westfalens zeigt, dass viele dieser früher verbreiteten Arten heute selten geworden oder verschwunden sind. Der Hortus Dyckensis dokumentiert damit eine Pflanzenzusammensetzung, die so nicht mehr existiert.
Pflanzen
Besondere Pflanzen im heutigen Schlosspark Dyck
Auch heute lassen sich im Schlosspark Dyck einige bemerkenswerte Pflanzen nachweisen, deren Vorkommen eng mit der Geschichte der Anlage verbunden ist. Besonders hervorzuheben ist Hieracium compositum subsp. magnolianum, eine im Hortus Dyckensis nicht gelistete Art, deren Auftreten wahrscheinlich auf spätere botanische Erwerbungen des Fürsten zurückgeht.
Mit Asplenium adiantum-nigrum ist zudem eine Art vertreten, die bereits im Hortus Dyckensis genannt wird und die heute in Nordrhein-Westfalen als gefährdet gilt. Pentaglottis sempervirens, ebenfalls im Hortus verzeichnet, ist gegenwärtig nicht gefährdet, bleibt jedoch als etablierte Wildpopulation kulturhistorisch bemerkenswert. Diese Vorkommen zeigen, dass im Park, neben den aus der Fürst-Joseph-Zeit stammenden Bäumen, weitere Spuren seiner botanischen Sammlung bis heute erhalten geblieben sind.
Achillea nobilis
Achillea nobilis
Edle Schafgarbe
Alyssum montanum
Alyssum montanum
Berg-Steinkraut
Androsace maxima
Androsace maxima
Großer Mannsschild
Arctostaphylos Uva ursi
Arctostaphylos uva-ursi
Echte Bärentraube
Arnoseris minima
Arnoseris minima
Lämmersalat
Artemisia pontica
Artemisia pontica
Pontischer Beifuß
Aster Amellus
Aster amellus
Berg-Aster
Chrysocoma Linosyris
Galatella linosyris
Goldhaar-Aster
Cicuta virosa
Cicuta virosa
Giftiger Wasserschierling
Cochlearia officinalis
Cochlearia officinalis
Echtes Löffelkraut
Dictamnus albus
Dictamnus albus
Diptam
Dictamnus Fraxinella
Dictamnus albus
Diptam
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