Lebende Monographien – Die Ordnung der Pflanzen im Raum
Im Schlosspark Dyck wurde botanisches Wissen räumlich organisiert. Pflanzen waren nach Familien gruppiert und in eigenen Bereichen angeordnet. Der Lageplan im Hortus Dyckensis macht das nachvollziehbar. Man erkennt eine Abfolge von Beeten und Landschaftsräumen, in denen Verwandtschaft, Standort und Gestaltung zusammenwirkten. Der Garten wurde zu einem „lebenden“ Ordnungsgefüge, das sich beim Durchschreiten erschloss.
Die Pflanzensammlung in Dyck folgte einer klaren Konzeption: Arten wurden nach Pflanzenfamilien geordnet und in Gartenräumen zusammengeführt. Grundlage bildete das natürliche System nach Antoine-Laurent de Jussieu, das botanische Verwandtschaft durch den Vergleich charakteristischer Merkmale bestimmt. Im Garten wurde diese Systematik sichtbar. Der Plan des „Hortus Dyckensis“ zeigt eine Abfolge unterschiedlicher Zonen – botanische Beete, Gehölzbereiche, offene Wiesen und Übergänge –, die sowohl wissenschaftlichen als auch gestalterischen Überlegungen folgen. Zugleich bestimmte der Ort die Ordnung mit: Bodenverhältnisse, Mikroklima und bestehende Gehölzstrukturen beeinflussten die Anordnung der Pflanzen. Schutzräume wurden gezielt genutzt, empfindliche Arten entsprechend platziert. So verbindet sich die wissenschaftliche Ordnung mit einer standortgerechten Gestaltung. In diesem Zusammenspiel aus System, Raum und gärtnerischer Praxis entsteht das, was Fürst Joseph als „lebende Monographien“ bezeichnete: eine Form von Wissen, die nicht nur im Buch festgehalten, sondern im Garten erfahrbar wird.

Ordnung rekonstruieren – Arbeit hinter den Kulissen
Der Hortus Dyckensis nennt im Lageplan 40 Pflanzenfamilien, listet im Inventar aber nur Gattungen und Arten. Ihre Zugehörigkeit wird als bekannt vorausgesetzt. Für dieses Projekt wurden die Pflanzen daher nach historischer Literatur den jeweiligen Familien zugewiesen.
Grundlage hierfür bildeten botanische Werke des 18. und 19. Jahrhunderts:
- Antoine-Laurent de Jussieu: Genera plantarum, 1789.
- Antoine-Laurent de Jussieu: Genera plantarum, 1791.
- Friedrich Siegmund Voigt: Darstellung des natürlichen Pflanzensystems von Jussieu, 1806.
Die Arbeit war dabei mit Schwierigkeiten verbunden: Oft fehlen in der historischen Literatur die im Hortus Dyckensis genannten Gattungen. Die Berücksichtigung historischer Synonyme half jedoch, diese Lücken auszugleichen. Um 1800 befand sich die botanische Systematik in Bewegung. Zwischen Jussieus System (1789) und dem Hortus Dyckensis (1834) kam es zu Verschiebungen und Anpassungen, etwa im Umfeld von Augustin-Pyramus de Candolle (1778–1841). Fürst Joseph orientierte sich zwar an Jussieu, integrierte aber auch neuere Ansätze, ohne diese ausdrücklich auszuweisen. Aus Gründen der Arbeitsökonomie wurde der Abgleich auf die genannten Werke beschränkt. Konnten Gattungen dort nicht nachgewiesen werden, erfolgte die Zuordnung nach heutigem botanischem Stand. Dies betrifft etwa ein Viertel der erfassten Arten. Unsere Darstellung verbindet somit historische Systematik mit moderner Ergänzung – und macht eine Ordnung sichtbar, die im Original vorausgesetzt, aber nicht erläutert wird.
Organisation
Pflanzenfamilien im Park

Alle Pflanzenfamilien
Abies alba
Abies alba
Weiß-Tanne
Abies balsamea
Abies balsamea
Balsam-Tanne
Abies canadensis
Tsuga canadensis
Kanadische Hemlocktanne
Abies coerulea
Picea glauca
Kanadische Fichte
Abies nigra
Picea engelmannii
Engelmanns Fichte
Abies Picea
Picea abies
Gewöhnliche Fichte
Abies taxifolia
inc. sed.
Abroma augustum
Abroma augustum
Schokoladenhibiskus
Abrus precatorius
Abrus precatorius
Paternostererbse
Absinthium officinale
Artemisia absinthium
Echter Wermut
Acacia acanthocarpa
Mimosa aculeaticarpa
Acacia alata
Acacia alata
Geflügelte Akazie
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