Eine Sammlung im europäischen Netzwerk
Die Dycker Pflanzensammlung entstand nicht isoliert, sondern im intensiven Austausch mit botanischen Gärten und Forschern in ganz Europa. Pflanzen gelangten durch Korrespondenzen, Reisen und den Handel nach Dyck. Besonders Verbindungen nach Paris, Brüssel, Gent, Haarlem, Madrid sowie nach Wien und Berlin trugen zur Erweiterung der Sammlung bei.
Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck baute seine Sammlung gezielt über ein europäisches Netzwerk auf. Er stand im Austausch mit bedeutenden botanischen Institutionen und Persönlichkeiten, darunter der Jardin des Plantes in Paris, der Garten von Martinus van Marum in Haarlem sowie zahlreiche botanische Gärten in Deutschland und den Niederlanden. Reisen – etwa nach Madrid (1808) oder Wien und Berlin (1814/15) – ermöglichten ihm nicht nur den Erwerb neuer Pflanzen, sondern auch die direkte Anschauung von Referenzexemplaren, die zur Bestimmung von Arten dienten. Auch der Austausch mit englischen Sammlern wie Adrian Hardy Haworth oder dem botanischen Garten von Kew war entscheidend für den Ausbau insbesondere der Sukkulentensammlung. Die Sammlung wuchs so durch gezielte Vernetzung, nicht allein durch Kauf oder Zufall.

wertvoll
Pflanzen aus erster Hand – wissenschaftliche Qualität
Viele Pflanzen erhielt der Fürst direkt von den Botanikern, die sie als erstes bestimmt, beschrieben und so in die Forschung eingeführt hatten. Das erhöhte die Zuverlässigkeit der Bestimmungen und machte die Sammlung wissenschaftlich besonders wertvoll.
Ein zentraler Anspruch der Dycker Sammlung war ihre wissenschaftliche Verlässlichkeit. Der Fürst betont, dass zahlreiche Pflanzen „aus den Händen der Botaniker selbst“ stammten, die sie bestimmt hatten. Dies bedeutete, dass die Exemplare als Referenzmaterial dienten und eng mit der botanischen Forschung ihrer Zeit verbunden waren. Diese Praxis unterschied Dyck von vielen anderen privaten Gärten, in denen Pflanzen häufig ohne gesicherte Bestimmung kursierten. Auf dieser Grundlage konnte der Fürst eigene Beiträge zur Botanik leisten, etwa durch Korrekturen bestehender Bestimmungen oder die Beschreibung neuer Arten in seinen Observationes botanicae. Die Sammlung war damit nicht nur dekorativ oder repräsentativ, sondern Teil eines wissenschaftlichen Diskurses.
Päonien – Sammlung, Auswahl und eigene Zucht
Neben der Sukkulentensammlung zeigt sich in Dyck auch eine intensive Beschäftigung mit Päonien. Aus der über Jahre aufgebauten Sammlung entwickelte sich eine gezielte Auswahl und eigene Zuchtpraxis, die sich über mehrere Jahrzehnte hinweg konkret verfolgen lässt.
Die Beschäftigung mit Pflanzen blieb in Dyck nicht auf das Sammeln beschränkt. Am Beispiel der Päonien lässt sich nachvollziehen, wie aus wachsender Sammlung vertiefte Kenntnis und schließlich eine eigene gärtnerische Praxis entstand. Ab den 1820er Jahren ist eine kontinuierlich anwachsende Zahl von Päonien dokumentiert, deren Entwicklung sich über Jahrzehnte in Sortenlisten verfolgen lässt. Im Hortus Dyckensis von 1834 sind zahlreiche Arten und Varietäten verzeichnet. Eine Archivnotiz aus dem Jahr 1856 berichtet von einer gezielten Neuordnung: Weniger überzeugende Varietäten wurden entfernt und durch „die schönen unserer Zucht“ ersetzt. Damit wird deutlich, dass in Dyck nicht nur gesammelt und verglichen, sondern auch aktiv gezüchtet wurde. Die Päonien sind zudem durch Beet- und Pflanzpläne in ihrer räumlichen Präsentation im Garten nachvollziehbar. Im Zusammenhang mit anderen umfangreich vertretenen Gattungen – etwa Pelargonien, Rosen oder Schwertlilien – zeigt sich ein Prinzip: Bestimmte „Lieblingspflanzen“ wurden besonders intensiv gesammelt. Während sich für die Päonien eine züchterische Weiterentwicklung nachweisen lässt, blieb es bei anderen Gattungen beim Sammeln – ein Unterschied, der sich auch in den Quellen andeutet.

