Küchen- und Nutzpflanzen – Versorgung und Genuss
Die Küchen- und Nutzpflanzen führen uns in einen zentralen doch oft übersehenen Bereich des Parks: den Küchengarten. Hier wurde das Haus versorgt – mit Gemüse, Obst und Kräutern für den täglichen Bedarf. Dabei zeigt sich eine bemerkenswerte Spannbreite: von einfachen Nahrungsmitteln bis hin zu aufwendig kultivierten Pflanzen für die fürstliche Tafel.
Die Auswahl der hier gezeigten Pflanzen basiert auf der Auswertung historischer Küchengartenliteratur des frühen 19. Jahrhunderts und deren Abgleich mit dem Hortus Dyckensis. Berücksichtigt wurden unter anderem Werke von Johann Ludwig Christ (1739–1813) und Theodor I. Nietner (1790–1871). Ziel war es, die damalige Gartenpraxis mit dem Dycker Bestand sowie mit heute geläufigen Obst-, Gemüse- und Gewürzpflanzen zu vergleichen. Dabei zeigen sich Übereinstimmungen, aber auch deutliche Unterschiede: Einige heute alltägliche Pflanzen wie Radicchio, Avocados oder Mangos fehlen vollständig, da sie in Europa noch nicht etabliert waren. Andere wurden zwar genutzt, aber nicht im Garten kultiviert. So war die Champignonzucht bekannt, wird jedoch weder in der ausgewerteten Literatur noch im Hortus Dyckensis erwähnt. Zugleich wird sichtbar, dass Dyck in vielen Bereichen über die übliche Gartenpraxis hinausging. Besonders Orangeriegewächse und exotische Gewürzpflanzen verweisen auf den gehobenen Anspruch der Anlage und das botanische Interesse des Fürsten.


Gestern Luxus – heute selbstverständlich
Viele Pflanzen, die uns heute alltäglich erscheinen, waren im frühen 19. Jahrhundert selten und nur mit großem Aufwand zu kultivieren. Ihr Auftreten in Dyck verweist auf die besonderen Möglichkeiten der Anlage und auf eine Gartenkultur, die über reine Versorgung hinausging.
Der Blick in die historische Literatur zum Küchengarten vermittelt eine deutliche Verschiebung im Verständnis von „Alltäglichkeit“. Was heute in jedem Supermarkt verfügbar ist, war um 1830 gar nicht oder nur schwer und unter hohem technischem und finanziellem Aufwand zu kultivieren. Dies gilt besonders für wärmeliebende Pflanzen, die in Gewächshäusern gezogen werden mussten. Hier sind Zitrusfrüchte, Granatäpfel (Punica granatum) und besonders die Ananas (Ananas comosus) zu nennen, die damals ein ausgesprochener Luxus war. Gleichzeitig finden wir in den historischen Werken Pflanzen, die heute selten oder gar nicht mehr auf dem Speisezettel stehen, etwa Sauerampfer (Rumex acetosa), Melde (Atriplex hortensis) oder Haferwurzel (Tragopogon porrifolius), sowie die Früchte von Obstbäumen wie Mispeln (Mespilus germanica) oder Speierling (Cormus domestica). Es wird also nicht nur die historische Gartenpraxis sichtbar, sondern es zeigt sich auch, wie relativ unsere Vorstellung von „alltäglich“ ist: Heute beiläufig verfügbar, waren diese Früchte einst Ausdruck von Reichtum und Luxus, umgekehrt können damals alltägliche Arten, uns heute als rares Nischenprodukt erscheinen.
Allium ascalonicum
Allium ascalonicum
Schalotten
Allium Cepa
Allium cepa
Küchenzwiebel
Allium Porrum
Allium ampeloprasum
Sommer-Lauch
Allium sativum
Allium sativum
Knoblauch
Allium Schoenoprasum
Allium schoenoprasum
Schnittlauch
Allium ursinum
Allium ursinum
Bärlauch
Alpinia Cardamomum
Elletaria cardamomum
Kardamom
Amygdalus communis
Prunus amygdalus
Mandelbaum
Amygdalus persica
Prunus persica
Pfirsich
Ananassa lucida
Ananas comosus
Ananas
Ananassa sativa
Ananas comosus
Ananas
Anethum graveolens
Anethum graveolens
Acker-Dill
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